Vom Ende der Gemeinsamkeit
Bevor Anita Maaß Bürgermeisterin von Lommatzsch wurde, forschte sie zum Untergang der Demokratie. Nun fürchtet sie, live daran teilzuhaben
Von Andreas Roth (erschienen in DIE ZEIT 16.4.2025)
Es ist kurz vor drei an einem sonnigen Nachmittag, als der Bürgermeisterin ihr Stadtrat
verloren geht. »Wieder eine Absage«, hatte ihr die Sekretärin gerade noch quer über den Lommatzscher Markt zugerufen – noch ein Ratsmitglied, das bei der wichtigen Abstimmung am Abend fehlen wird. Anita Maaß, 49 Jahre alt, einst Hoffnungsträgerin aus einer jungen Generation von Kommunalpolitikern, steht vor ihrem barocken Rathaus und sagt, mehr zu sich selbst: »Ich
kann nicht mehr. Ich will nicht mehr.«
Dabei schien Maaß lange ein Glücksfall für Lommatzsch zu sein. Vor 20 Jahren zog sie ins Rathaus ein, als jüngste hauptamtliche Bürgermeisterin Sachsens. Sie stabilisierte die Finanzen der hoch verschuldeten 4.700-Einwohner-Gemeinde in der Mitte des Freistaats, wurde respektiert und gemocht – bei der letzten Wahl vor sechs Jahren erhielt sie 93 Prozent der Stimmen.
Doch zuletzt wirkte es so, als würden sich die Bürgermeisterin und ihre Stadt entfremden. Oder zumindest die Bürgermeisterin und ihr Stadtrat. In dem ist die AfD seit vergangenem Jahr nach den Freien Wählern die zweitgrößte Fraktion. Im Frühling stellte sie einen Abwahlantrag gegen Maaß. Der Tiefpunkt des Verhältnisses, Maaß sprach von »Mobbing«. Der AfD-Fraktionsvorsitzende dagegen von »gelebter Demokratie«. Die wiederum sieht die promovierte Historikerin Maaß durch
ebenjene AfD bedroht.
Und so ähnelt die Lage in Lommatzsch gerade der im ganzen Land: Die etablierten Kräfte erklären, die Demokratie vor der AfD zu schützen – während die behauptet, deren wahre Hüterin zu sein. Die Frage ist, nicht nur in Lommatzsch: Was bleibt von einer Demokratie übrig, wenn alle überzeugt sind, sie allein sprächen in ihrem Namen?
Die Bürgermeisterin eilt in ihr Amtszimmer Türen schlagend. Vom Markt dringt an diesem Apriltag das gemütliche Gemurmel einer Kleinstadt herauf. Elf Stadträte haben ihr Fehlen bei der Ratssitzung am Abend angekündigt. Elf von 18, die kompletten Fraktionen von AfD und Freien Wählern. Ist das nun deren nächstes Manöver? Dabei muss heute doch dringend der Haushalt beschlossen werden. »Das Königsrecht der Stadträte«, sagt Maaß. »Wir sind nicht beschlussfähig. Spinnen die jetzt? Ich ruf die jetzt an.«
Der Weg, der Anita Maaß ins Lommatzscher Rathaus führte, begann mit 25.000 Aktenseiten. Es waren die Protokolle des Dresdner Stadtparlaments in der Weimarer Republik, durch die sich die junge Historikerin vor mehr als 20 Jahren für ihre Doktorarbeit fräste. Was sie sah: den Weg einer Demokratie in den Abgrund. »Als ich das Buch schrieb, hatte ich lange das Gefühl, eine Handlungsempfehlung dafür zu schreiben, wie so etwas wieder geschehen kann«, sagt Maaß. »Wie schnell das geht, dass eine Demokratie kaputt gehen kann.«
Deshalb hob sie die Hand, als 2005 in der zwischen Feldern gebetteten Gemeinde bei der Bürgermeisterwahl nur ein einziger Kandidat zur Auswahl stehen sollte. Eine 29-Jährige von der Uni, ohne Partei, ohne Erfahrung. Eine Zugezogene. »Aus einer Form von Selbstüberschätzung«, sagt die heute. Was Maaß nicht erwartet hatte: Sie gewann. Immer wieder, drei Mal in Folge. Und das, obwohl sie seit 2007 das Parteibuch der FDP hat, ab 2021 gar als Vorsitzende deren sächsischen Landesverband anführte – der bei der letzten Bundestagswahl mit 3,2 Prozent nur noch unter den sonstigen Parteien landete. Die Geschichte von Anita Maaß schien lange eine Geschichte gegen alle Wahrscheinlichkeiten zu sein.
»Hallo René, ich muss dich leider bitten heute Abend ganz dringend zu kommen.« Die Bürgermeisterin telefoniert ihre Stadträte ab, versucht zu werben. Doch der Dachdeckerbetrieb
von René Heinitz, einem Freien Wähler, feiert Hundertjähriges, er hat sich schon vor Wochen entschuldigt und bleibt dabei. Noch zweieinhalb Stunden bis zur Ratssitzung. »Wir sind beschlussunfähig!« Anita Maaß ruft am Telefon in ihrem Amtszimmer wie in einen schalltoten Raum. Kein Echo.
Die Mutter eines Ratsmitglieds ist gestorben, das versteht sie. Andere bleiben über die Gründe ihres Fehlens im Ungefähren. Maaß atmet tief durch, ist ja nicht ihr erstes Problem als Bürgermeisterin. Eigentlich hatte sie Probleme seit ihrem ersten Arbeitstag. Was die junge Bürgermeisterin nach ihrer Vereidigung vor 20 Jahren vorfand, waren: ein leerer Schreibtisch, mehr als acht Millionen Euro Schulden und ein Ultimatum der Rechtsaufsicht, die Finanzierung der Abwasseranschlüsse in der Stadt endlich zu klären. Anita Maaß setzte Anschlussbeiträge von allen Grundstückseigentümern durch, teils fünfstellige Summen. Sehr viel Geld für viele Bürger. Es brachte ihr eine Klage ein, Widerstand, Zweifel und Selbstzweifel. Am Ende aber trug sie Lommatzschs Schuldenberg ab und ermöglichte so Investitionen in Kindergarten, Schule, den schmucken Markt. Ihr Plan ging auf. Auch Maaß’ Familie musste einen ziemlich hohen Beitrag zahlen für den Anschluss ihrer 850 Quadratmeter großen Streuobstwiese. »Die Karnevalsprinzessin fragte mich damals: Wenn du selbst mit am stärksten belastet bist, warum machst du es denn dann?«, erinnert sich die Bürgermeisterin. Sie habe geantwortet: »Ja, weil es nicht um mich geht.« Viele verstünden nicht, dass das Wir auch über das Ich gehen könne. Und dieses Unverständnis sei in den letzten Jahren gewachsen.
Im Blumenladen von Marion Schwärig, eine Gasse hinter dem Rathaus, wetteifern die Farben der Frühlingsblumen. Die Händlerin aber wirkt müde, eine leise Vergeblichkeit zieht durch ihre Sätze. »Wie in der großen Politik ist es auch hier in Lommatzsch im Kleinen«, sagt Schwärig im engen Hinterzimmer ihres Geschäfts. »Es wird durchgedrückt und durchgewunken.« Marion Schwärig, 59, ist die Vorsitzende der Freien Wähler im Lommatzscher Stadtrat, mit sechs Mitgliedern die größte Fraktion.
Dass auch Schwärig die Demokratie bedroht sieht, liegt aus ihrer Sicht ausgerechnet an der Bürgermeisterin mit ihrem Doktortitel und den meist ausgefeilten Ideen in der Tasche. »Man
kommt in diesem Ehrenamt von Arbeit und bekommt im Stadtrat von der Bürgermeisterin eine Tischvorlage, die wir schnell durchlesen und dann darüber abstimmen sollen«, klagt die Blumenhändlerin. »Aber man muss sich doch vorher in Ruhe informieren.« So störte sie es zum Beispiel, wie die Bürgermeisterin im Herbst die überraschende Schenkung eines Hamburger Mäzens für eine Kunstausstellung im Stadtmuseum präsentierte. Schwärigs Freie Wähler fühlten sich überrumpelt und fürchteten hohe Folgekosten, sie lehnten ab – Maaß ging in Widerspruch.
Oder vergangenes Frühjahr, als gut 600 Lommatzscher gegen neue Windräder unterschrieben und die Freien Wähler ein Bürgerbegehren unterstützten – doch die Bürgermeisterin legte ihr Veto ein: Eine Kommune habe nicht das Recht, den Bau von Windkraftanlagen abzulehnen, das sei Sache des Landkreises. Es ist ein Hin und Her im Lommatzscher Rathaus, mit ungezählten (und fast immer als unbegründet abgelehnten) Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die Bürgermeisterin und Verletzungen auf allen Seiten.
»Ich fühle mich manchmal so unverstanden«, sagt Anita Maaß. Nach dem erbitterten Streit um die Windkraftanlagen habe sie, die auch Mutter von zwei Töchtern ist, Asthma bekommen.
»Visionen hat die Bürgermeisterin schon, und die sind auch nicht schlecht«, sagt der Elektromeister Thomas Dörfel, 53, Chef der Feuerwehr und ebenfalls Stadtrat der Freien Wähler, »aber sie gibt schon die Entscheidungen vor.« Als Lommatzsch Ende 2024 ein unverhofftes Geschenk erhielt, legte Maaß mal wieder schnell einen Plan auf den Tisch. Genau genommen vier Pläne. 2,6 Millionen Euro hatte ein Verwandter von Terence Hill der Kommune vermacht. Der Italowestern-Schauspieler lebte in seiner Kindheit ein paar Jahre in Lommatzsch. Zwei der vier Pläne für die Verwendung dieses Erbes sahen die Wiedereröffnung des Terence-Hill-Freibades vor, das Maaß 2011 hatte schließen lassen. Ein Anliegen der Freien Wähler seit Jahren. Doch Anita Maaß sagte
gleich dazu: Mit ihr werde es nicht dazu kommen, viel zu teuer sei der Badbetrieb für die
klamme Kommune. Maaß hatte die Pläne zwar auf den Tisch gelegt, aber die ihr unliebsamen
auch gleich selbst wieder abgeräumt.
»Das ist keine Demokratie, das ist für mich eine Diktatur«, sagt die Floristin Schwärig und packt ein weiteres großes D-Wort aus. In Lommatzsch stoßen auch zwei unterschiedliche Typen von Lokalpolitikern aneinander. Auf der einen Seite meist junge Macher mit viel Wissen und Motivation, Menschen wie Anita Maaß – eine erfahrene Berufspolitikerin, die an der TU Chemnitz Kommunalpolitik gelehrt hat. Auf der anderen Seite Ehrenamtliche aus dem Ort, die Blumenhändlerin, der Elektromeister, der Dachdecker. Die eine geht mit großen Ideen voran – die anderen können kaum folgen. Oder wollen es nicht. Oder wollen einfach nur ernst genommen werden mit ihren Fragen und Bedenken, auch wenn sie kaum die Zeit finden können, das Kommunalrecht bis in den letzten Paragrafen zu durchdringen.
»Wenn mir jemand mit Halbwissen oder Bösartigkeit oder Trotz kommt, dann reagiere ich auch mit Trotz, dann werde ich ironisch oder zynisch«, sagt Maaß. »Und das ist nicht gut.«
»Guten Tag, Herr Németh, ich muss Sie heute zur Stadtratssitzung verpflichten.« Maaß schaltet am Telefon in ihrem Büro auf Konfrontation um. Robert Németh gehört auch zu den Freien Wählern und hat eine Autowerkstatt. »Wie wollen Sie denn den Bürgern erklären, dass Sie ohne Begründung einer Stadtratssitzung fernbleiben, die seit Monaten bekannt ist?« Maaß lacht hilflos, verzweifelt. »Na ja, Sie tragen die Verantwortung.« Noch zwei Stunden bis zur
Ratssitzung. Sie legt ohne Gruß auf.
»Das Miteinander, das Zulassen von anderen Meinungen, von Fairness – das haben viele gar
nicht mehr gelöffelt«, sagt Diana Rühlow. In ihrem Laden, in einer Stadt der leer stehenden Geschäfte, verkauft sie Lommatzscher Kräuterbitter und Lommatzsch-Kaffee, Lottoscheine
gibt es auch. Rühlow, 54, ist mit allen per Du. Sie bekomme mit, wie in letzter Zeit immer mehr Kunden mit Wut durch ihre Ladentür treten, andere mit Angst, wieder andere mit schmalem Portemonnaie. Das Leichte und Unbeschwerte sei auch der Bürgermeisterin abhandengekommen. Und auch Rühlow macht sich Sorgen um die Demokratie.
Es ist kurz nach vier Uhr, keine zwei Stunden bis zur Ratssitzung, als Anita Maaß Gottfried Striegler anruft. Seit der letzten Kommunalwahl hat die AfD fünf Sitze im Rat, Striegler ist ihr
Vorsitzender. »Gotti ist ein guter Kerl«, sagen selbst Andersdenkende. Einer, der sich lange für den Jugendclub starkmachte, 30 Jahre alt, mit verbindlicher Ruhe in der Stimme. »Hallo Herr
Striegler«, spricht Maaß aufgebracht durchs Telefon, »es geht um den Haushalt, wir brauchen
wenigstens noch zwei Stadträte, um beschlussfähig zu sein. Ist das jetzt ein Boykott?«
Noch zwei Tage zuvor hatte sich der AfD-Politiker mit dem Reporter für ein Interview verabredet, kurzfristig sagte er ab, dann wollte er gemeinsam in den Stadtrat gehen, sagte jedoch wieder ab. Er müsse noch zu einer Kirchenversammlung, erklärte Striegler, aber nein, besonders aktiv in der Kirche sei er nicht. »Sie haben einen Eid geschworen«, beschwört ihn nun die Bürgermeisterin, vergeblich.
Dabei lobt selbst Striegler Anita Maaß für ihre Finanzpolitik – zugleich fühle er sich oft übergangen. Als seine Fraktion forderte, dass Bürger im Rathaus auch ohne Onlineanmeldung vorsprechen dürften, was gerade für Ältere wichtig sei, da beschied die Bürgermeisterin: Dies zu entscheiden, sei Aufgabe ihrer Verwaltung und nicht des Stadtrats. Und dann war da noch ihre Rede am letzten Volkstrauertag.
Anita Maaß hielt sie an der Mauer der Lommatzscher Wenzelskirche. Dort hatte die SS kurz vor Kriegsende 36 Zwangsarbeiter und einen Flüchtlingsjungen erschossen, denunziert von
Lommatzschern. Maaß schlug den Bogen zum heutigen Rechtsruck und zu den Windkraftgegnern
in der Stadt, die sich vom Chemnitzer Anwalt Martin Kohlmann vertreten lassen, dem Gründer der rechtsextremen Freien Sachsen.
»Geschichte wiederholt sich, wenn auch in anderer Ausprägung«, sagte die Historikerin und ließ ihre Rede im Amtsblatt unter der Rubrik »Informationen der Verwaltung« abdrucken. Mit diesem politischen Statement von der Kanzel vor der Bundestagswahl habe sie eine Grenze überschritten, sagt AfD-Chef Striegler schließlich am Telefon. »Dass sie uns als Stadträte und unsere Wähler mit den Nazis gleichgesetzt hat, das war für uns ein scharfes Schwert.« Sein Abwahlantrag scheiterte jedoch im Stadtrat.
Noch eine Stunde bis zur Ratssitzung. Die Freie-Wähler-Fraktionschefin Marion Schwärig steht in ihrem Blumenladen, es gehe ihr heute nicht so gut, sagt sie. Sie wird fehlen. Wie alle Stadträte von Freien Wählern und AfD. »Das war kein Boykott, das war einfach ein unglücklich
gewählter Termin«, behauptet Schwärig später in der Sächsischen Zeitung. Allerdings einer, der den Stadträten seit Monaten bekannt war – sie hatten ihn selbst festgesetzt.
»Das ist doch abgesprochen, eine Frechheit«, schimpft ein alter Mann auf den Besucherstühlen,
als abends im Ratssaal nur sieben von 18 Stadträten sitzen. Die kleine Glocke vor Anita Maaß bleibt stumm. Sie überreicht einem jungen Fleischermeister von der FDP einen Blumenstrauß zur Geburt seines Kindes. Er hat es gerade aus der Klinik heimgeholt, gekommen ist er trotzdem. Maaß’ Mann hat heute Geburtstag. Jetzt kann sie nur feststellen: »Wir sind beschlussunfähig.«
Kein Haushalt, damit erst einmal keine Investitionen in Sport und Schule und Brandschutz im
Hort. Anita Maaß, deren Rede sonst kaum zu stoppen ist, ringt um Worte. Draußen hat sie viele Menschen hinter sich; beim Wochenmarkt vor dem Rathaus ist kein kritisches Wort über die Bürgermeisterin zu hören. Egal, ob junge Mutter, Schüler oder Rentnerin: nur Lob, Anerkennung und auch so etwas wie Mitleid.
Dass sie im nächsten Jahr nicht noch einmal zur Wahl als Bürgermeisterin antritt, hat sie schon beschlossen. Am Samstag, auf dem Landesparteitag ihrer FDP in Lommatzsch, kandidierte sie auch nicht wieder als Vorsitzende. Mit 50 will sie etwas Neues beginnen. Ihr Wissen als Dozentin an junge Verwaltungsangestellte weitergeben und ihnen erklären, wie eine Demokratie funktioniert.
Oder wie sie in Gefahr geraten kann.
Auf der Schwelle
In Nossen sollte kein Zug mehr fahren. Das wollte der Archäologe Eckart Sauter nicht hinnehmen. Und gründete eine Eisenbahngesellschaft
Von Andreas Roth (erschienen in DIE ZEIT 5.12.2024)
Er liebt es, auf Schienen zu gehen. Noch immer. Es sei etwas aus seiner Kindheit, sagt Eckart Sauter und schiebt Laub von den morschen Schwellen: »Zwei Metallstränge, die im Boden liegen, und ich weiß: Die gehen bis ans Ende der Welt.« Nur fahren kann man auf diesen Schienen nicht einmal mehr in die nächsten Kleinstädte Döbeln oder Meißen.
Wenn Eckart Sauter über seine Strecken streift, dann ist da eine große Stille. Stille an den Haltepunkten, Stille an den Schranken, Stille am Bahnhof Nossen. Die Stadt mit 10.000 Einwohnern liegt so ziemlich in der Mitte von Sachsen. Und im Dezember 2015 fuhr hier der letzte Personenzug. Ein erloschener Eisenbahnstern.
Einst gingen seine Strahlen in alle vier Himmelsrichtungen. Bis nach Dresden,
Leipzig, Berlin, Chemnitz. Sauter will diesen Stern wieder zum Leuchten bringen. 92 Kilometer einst stillgelegte Strecke hat er dafür gepachtet und gekauft. Viel totes Gleis. »Ich hatte selbst am Anfang Angst«, sagt Sauter, »ob ich ein
totes Pferd reite.« Wie er so dasteht im Schotter, in Zimmermannshose und mit grauem Zopf, wirkt es, als wäre diese Frage für ihn noch immer nicht abschließend beantwortet.
Mehr als 510 Kilometer Schiene sind seit der Bahnreform 1994 in Sachsen stillgelegt worden. Bundesweit sind es mehr als 5.400 Kilometer. Seit der politisch ausgerufenen Verkehrswende soll nun aber weniger stillgelegt und mehr wiederbelebt werden. Nur gibt es dabei viele Probleme, der Ausbau stockt.
Eckart Sauter will sich damit nicht abfinden. In gewisser Weise ist der 56-Jährige ein Experte für das Tote. Er ist Archäologe. Und wenig sprach dafür, dass er einmal zum Eisenbahnretter in Sachsen werden sollte. Die nicht enden wollenden Schienen im Wald seiner Kindheit und die Märklin-Bahn seines Vaters lagen im Schwäbischen, die ihn fesselnden Stätten der Antike unter der Sonne Griechenlands. Eines Tages, vor 30 Jahren, so erzählt Eckart Sauter, kam ein Brief von der Stadt Nossen an die Großmutter: ein längst vergessenes Erbe, das Haus des Ururgroßvaters in dieser Kleinstadt zwischen Leipzig und Dresden. Sauter, damals Archäologiestudent in Berlin, fuhr hin, um es loszuwerden.
Es war ein Freitagnachmittag. Die Mieter saßen unter dem Nussbaum, er erinnert sich genau. Der Grill war an. »Sie haben mich hingesetzt, mir eine Bratwurst in die Hand gegeben. Und mich nicht mehr gehen lassen.« Bald zog er tatsächlich nach Nossen, in eine Wohnung in seinem geerbten Haus. Aus seinem Fenster sah er, wie sich Löcher in das Dach des Bahnhofs gegenüber fraßen. Er sah die wachsenden Löcher im Netz der Bahnlinien.
Und dann zerbrach etwas in seinen eigenen Lebensplänen. Eine Liebe. Und die Archäologie bot ihm auch kaum eine sichere Zukunft. »Da dachte ich: Vielleicht könnte ich noch etwas anderes probieren?«
Sie reparierten alte Gleise, sägten wuchernde Äste weg und organisierten sich eine alte Lok Sauter erklimmt einen Bahndamm beim Dörfchen
Starbach. Steil ist er und rutschig. Genau an diesem Ort hat er die ersten Meter Strecke aus dem Dornröschenschlaf geweckt. »Es war schon eine Schinderei«, sagt Sauter. Mit einer Schar von Freiwilligen aus der Gegend, die die Eisenbahn erhalten wollten wie er, schlug er mit Spitzhacke und Fünf-Kilo-Hammer die ersten morschen Schwellen aus dem Gleisbett, trug neue heran, sägte Äste aus dem Dschungel der Strecke. Über Tage, über Wochen, über Monate.
Davor lagen viele Jahre Odyssee, um die Ende der Neunziger stillgelegte Strecke Nossen-Riesa zu neuem Leben zu erwecken. Auf dieser Reise traf er, erzählt Sauter, auf einen Mitarbeiter im Bauch des Bahn-Konzerns, der sich als Henker für viele Strecken vorstellte – und ihm Mut machte zur
Gründung einer Eisenbahngesellschaft. Er traf Lokalpolitiker, die ihn für einen Spinner hielten. Und Unternehmer, die einen Bahnanschluss wollten.
Mit Freunden und Bekannten, dafür ohne Bank und auch ohne allzu viel Ahnung, hatte der Archäologe 2008 die Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie GmbH gegründet. »Das war«, sagt er, »eine ziemliche Nuss. Ein totaler Blindstart.« Ein Landhandel aus dem Dorf Starbach war der erste Kunde. Güterzüge für Getreide. Die Strecke hatten Sauter und seine Mitstreiter von der Deutschen Bahn gepachtet, eine alte Diesellok sowjetischer Bauart vor dem Schrott gerettet, alte Güterwagen gekauft. Auch andere Firmen aus der Gegend signalisieren seitdem
Interesse. »Die Wirtschaft ist viel weiter als die Politik«, sagt Sauter auf dem Bahndamm. »Ihr fehlen mittlerweile die Lkw-Fahrer. Da geht’s überhaupt
nicht um öko.«
Mit der Ehrfurcht des Archäologen fährt er mit der Hand über den Nagel in einer alten Bahnschwelle. »Der ist von 1959, und er tut’s immer noch.« Mit zehn Kilometern pro Stunde darf der Zug nun über das instand gesetzte Gleis fahren. Schleichfahrt heißt das im Eisenbahnerdeutsch. Es ist die Geschwindigkeit, an die sich Eckart Sauter auch sonst gewöhnt hat.
Nur der Klimawandel sprintet. 2019 kündigte die schwarz-grün-rote sächsische Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag die Prüfung stillgelegter Bahnen an: Strecken mit einem guten Kosten- Nutzen-Verhältnis sollten »zügig befahren werden«, so das Versprechen. Zwei Jahre später präsentierte Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) unter dem Titel »Die Schiene kommt zurück« die Ergebnisse. Für die von Sauters Firma gepachtete Strecke Meißen-Nossen-Döbeln und drei weitere Linien in Sachsen sieht das Gutachten Chancen im Nahverkehr. Drei weitere Jahre später gibt es noch immer keine Entscheidung. Im sächsischen
Verkehrsministerium verweist man auf komplexe Abstimmungen, am Ende müsse ohnehin der Bund über das Geld entscheiden. Dass Berlin wie Dresden gerade eine intakte Regierung fehlt, macht die Sache nicht schneller.
Im letzten August aber geschah etwas: Ein erster Bagger begann kurz vor Nossen alte Betonschwellen zu ersetzen. Viel Auftrieb von Politik und Presse. Es traf sich, dass die Landtagswahl nahe bevorstand. Die Sanierung der Strecke sei die Grundlage für die Wiederbelebung der Regionalbahn, verkündete Verkehrsminister Dulig. Ein Millionenprojekt, für das Sauters Eisenbahngesellschaft die Förderung des Staates braucht.Inzwischen aber ruhen die Arbeiten wieder. Es fehlt an Arbeitern und an Material. Eckart Sauter bleibt trotzdem voller Hoffnung: »Jetzt haben sie es in der Politik endlich begriffen«, sagt er. Im neuen Jahr sollen die Bauarbeiten weitergehen. Er träumt davon, dass irgendwann wieder Personenzüge auf seinen Gleisen unterwegs sind.
Vom Stellwerk aus hat er den besten Blick auf seine Gleise. Die Hebel stehen still. Auf dem Tisch vor Sauter liegt eine Liste. Jeder Verkehr wird säuberlich nach alter Eisenbahnersitte mit Stift und Lineal eingetragen. Für die vier Öl-Züge, die hier täglich fahren, und die wenigen Getreidezüge im Jahr reicht das. Die Einnahmen durch die Nutzung der Trassen halten das Netz der Eisenbahn-Compagnie mit ihren 20 Mitarbeitern finanziell über Wasser. Eine zarte Ironie der Geschichte: Wären die Öl-Züge für das nahe Tanklager nicht, könnte Sauter wohl zumachen. Die fossile Industrie hält der Rückkehr der Eisenbahn die letzte Tür offen.
Das Dach des Nossener Bahnhofs indes ist längst eingestürzt. »Und ausgerechnet in diesem verfallenden Bahnhofsgebäude haben wir jetzt Eckart Sauters Unternehmen, das sich kümmert«, sagt der SPD-Bürgermeister Christian Bartusch. Er scheint sich noch immer etwas darüber zu wundern. Und zu freuen. Denn der geschlossene Bahnhof ist für den Bürgermeister nicht nur ein Problem des Nahverkehrs. »Die Stilllegung der letzten Strecke führte zu großen Enttäuschungen. Und zu Verdrossenheit«, sagt der Bürgermeister. Verkehrstechnisch abgemeldet, symbolisch
sowieso. Einst gab das Bahnbetriebswerk vielen in Nossen Arbeit. Und Stolz.
Aber haben sich die Menschen in der Region nicht selbst von der Eisenbahn abgehängt? Nur 320 Reisende entschieden sich kurz vor der Einstellung der Strecke 2015 pro Tag noch für die Bahn – das sind 20 pro Zug. Hört man sich auf dem Nossener Markt um, haben die Eisenbahn und ihre Retter viele Freunde. Ein junger Mann hofft auf eine schnelle Verbindung zum Einkaufen nach Dresden, eine alte Frau auf einen Zug zu ihrem Sohn in Berlin. Die Einkäufer mit Auto auf dem Marktplatz indes würden kaum umsteigen. Nossen liegt gleich an zwei Autobahnen.
Eine Analyse für den Verkehrsverbund Oberelbe kam 2020 zu dem Ergebnis, dass selbst ein schneller Zug bis nach Dresden nur 500 bis 800 Menschen pro Werktag anlocken würde – und gut zehn Millionen Euro Zuschuss pro Jahr bräuchte. Mindestens. Dem Verkehrsverbund fehlt dafür das Geld, dem Land ebenfalls. »Hier wünsche ich mir eine realistische Debatte«, teilt Sachsens Verkehrsminister Dulig auf Anfrage schriftlich mit. »Denn das eine ist die Investition in eine Strecke, das andere ist, diese auch wirtschaftlich zu betreiben.«
Eckart Sauter steigt die Unterführung des Nossener Bahnhofs hinab. Alles wirkt, als sei die Zeit eingefroren. Als könnte jede Minute der nächste Zug
abfahren. »Mir ist bewusst, dass ich scheitern kann«, sagt Sauter.
Letztes Jahr erst hat er mit seiner Firma eine weitere Strecke übernommen, 23 Kilometer nach Freiberg. Wieder morsche Schwellen, wieder rostige Schrauben, die ausgetauscht werden müssen. »Gottserbärmlich«, murmelt er vor sich hin. Sauter ist Archäologe geblieben. Jedes Jahr fährt er in die Türkei. Erst jetzt im Herbst half er wieder, das Heiligtum der antiken Stadt Milet auszugraben. Mal findet er eine Scherbe, mit etwas Glück eine Münze. Geduldig etwas Verschüttetes suchen, gegen allen Augenschein: Archäologen schreckt das nicht.
Pflege mit Helm
Pandemie: Hinter Schutzkleidung kämpfen Pfleger wie Philipp Krause in Dresden um das Leben von Corona-Kranken – manche werden selbst dabei krank.
Irgendwann hört Philipp Krause auf, seinen Patienten zu sagen: »Das wird schon wieder«. Irgendwann ist er erleichtert, wenn er nicht mehr in diese Augen sehen muss. In diese Panik, in diese Angst. Irgendwann in diesem Corona-Winter funktioniert der Pfleger nur noch. Bis er nicht mehr funktioniert.
Philipp Krause ist gern Krankenpfleger. Ein stiller Mann, in dessen Familie alle soziale Berufe haben und für den Nächstenliebe keine fromme Floskel ist. Der 38-Jährige ist stellvertretender Stationsleiter einer Intensivstation in einer Dresdner Klinik. Als die erste Corona-Welle im vergangenen Frühling durch das Land zieht, schwebt sie nur als eine dunkle Vorahnung über ihm.
Als die zweite Welle im November anhebt, kommen die ersten Covid-Patienten in die benachbarte Intensivstation. Es fehlt Personal, also hilft Philipp Krause aus. Und steckt sich kurz darauf an. Der Kopf schmerzt, er fühlt sich abgeschlagen, sein Geruchssinn schwindet. Das Virus springt auf seinen kleinen Sohn über. Und mit dem Virus kommt die Angst. Philipp Krause verdrängt sie. Nach zwei Wochen Quarantäne geht er wieder in die Klinik. Er wird ja gebraucht. Er funktioniert.
Die Welle wandelt sich zur Flut. Und füllt in kürzester Zeit Krauses Intensivstation. Draußen ist Weihnachten. Alle 20 Betten sind mit Corona-Patienten belegt und zwei Zusatzbetten auch. »Man denkt immer, wir sind vom Fach – aber in dieser Situation ist niemand vom Fach«, sagt Philipp Krause. Pfleger und Ärzte tasten sich Stunde für Stunde, Tag für Tag in unbekanntes Land. Für jeden Gang an ein Krankenbett müssen sie Helm, Kittel und Handschuhe überziehen.
Und so treten sie an ihre Patienten. Über dem Kopf ein geschlossenes Visier mit Schlauch und laut surrendem Lüfter. Das Hören ist schwer und das Reden auch. Ihr Gesicht ist kaum zu erkennen. »Man spürt die Ängste bei den Patienten, aber man ist unbeholfen, man sieht aus wie ein Raumfahrer – wie will man ihnen die Angst nehmen, wenn man ihnen so gegenübersteht?« Und wenn man selbst hilflos ist, sagt Philipp Krause. »Da sind plötzlich Berührungsängste, die ich sonst nie hatte.«
Jeder Arbeitsschritt muss gut geplant sein und dauert doppelt so lang. Schwitzend unter der Schutzkleidung und im Lärm des Lüfters im Helm Kranke waschen und drehen. Die Panik in den Augen der Patienten sehen, die mit Überdruckmasken beatmetet werden und nach Luft ringen. Ihre Einsamkeit. Und was man ihnen schuldig bleibt. Besuche von nahen Menschen sind nur im Sterben zugelassen, oder danach. Den Familien am Telefon kann Philipp Krause ein ums andere Mal nur die Auskunft geben: »Ihr Angehöriger ist auf niedrigem Niveau stabil.«
Nur ein einziges Mal in dieser Zeit kann er das tun, was für ihn ein Pfleger auch tun sollte: einem Patienten zuhören, ihm die Hand halten. »Ich will nicht sterben«, sagt ihm der betagte Mann. Der Mann stirbt wenig später. Krause funktioniert.
Er führt für sich Zwiegespräche mit Gott. Aber er kann aus ihnen in diesen Tagen keine Kraft ziehen. »Ich musste mit meinen Energien so haushalten, dass ich mir viele Sinnfragen nicht stellen konnte.« Das Gebot der Nächstenliebe bleibe für ihn ein treibender Grund, sagt Philipp Krause. »Meine Energie habe ich daraus gezogen, dass es Menschen gibt, die an ihre Grenzen gehen aus einer Verpflichtung für andere Menschen heraus.«
Es sind seine Kollegen. Pfleger, Ärzte, Physiotherapeuten. Er weiß, dass viele wie er auf dem Zahnfleisch gehen. Dass viele wie er noch Sorgen um Kinder mit Schulunterricht zuhause haben. Manche als Alleinerziehende. Manche als Hauptverdienerin, während ihr Mann ums Überleben seines Geschäfts im Lockdown kämpft. Einigen stecken sich mit Corona an. Und viele haben Angst wie er, das spürt Philipp Krause als stellvertretender Stationsleiter. Er kann ihnen diese Angst nicht nehmen.
»In dieser Zeit bin ich meinen Verpflichtungen auch meinen Kollegen gegenüber nicht nachgekommen. Ich hatte kein Ohr für sie, wie ich es haben sollte.« Denn Krause muss neues Personal suchen. Pfleger aus anderen Bereichen der Klinik springen ein. Und über ihre Ängste. Personal ist immer knapp in der Pflege. Corona macht es noch knapper.
Seit Philipp Krause 2007 mit seiner Arbeit als Krankenpfleger begann, sei die Zeit für die Arbeit mit Patienten im Gleichschritt mit der Personalstärke immer knapper geworden, erzählt er. Dafür wächst der Aufwand für Dokumentationen und der wirtschaftliche Druck. Es gibt mittlerweile zu wenige Menschen, die in der Pflege arbeiten wollen. »Wertschätzung kommt nicht bei uns an«, sagt Philipp Krause. »Uns fehlt eine Lobby für die Pflege, unsere Interessenvertretung ist schlecht organisiert.« Unter denen, die wie Philipp Krause an vorderster Front die Pandemie bekämpfen, steigt der Frust. Und die Enttäuschung.
Nach der Schicht hören sie im Bekanntenkreis und lesen in Sozialen Netzwerken: Corona sei doch gar nicht so schlimm. Oder: Augen auf bei der Berufswahl! Oder: die Alten könnten doch ruhig sterben! »Das macht mich krank«, sagt Krause. Er wird dünnhäutiger, reizbarer.
Er erlebt Patienten, deren Zustand sich bessert. Zu wenige. Er erlebt Menschen, die bewusst den Weg wählen zu sterben anstatt künstlich beatmet zu werden. Umgeben nur von Menschen in Kosmonautenhelmen. Irgendwann Ende Dezember sieht Philipp Krause einen Leichnam in einem schwarzen Sack und es berührt ihn nicht mehr. Das ist der Nächste, denkt er nur. Er funktioniert.
Einen Tag nach Neujahr hat Krause frei, doch er springt ein. Ein junger Mann, vor Wochen noch kerngesund, liegt seit Beginn der zweiten Corona-Welle auf seiner Intensivstation. Die Ärzte und Pfleger versuchen alles, damit er keine künstliche Beatmung braucht. Denn dann, wissen sie, stehen die Chancen nur noch 50:50. Sie kämpfen, er kämpft. Die Pfleger in ihren Raumanzügen sagen ihm: »Das wird schon«. Der junge Mann hat Angst, kann nicht mehr schlafen, kein vertrauter Mensch ist um ihn. An diesem 2. Januar verlieren sie diesen Kampf. Er braucht die künstliche Lunge.
Nach Dienstschluss spürt Philipp Krause eine Enge in seiner Brust. Dazu eine tiefe Müdigkeit und Unruhe zugleich. Jetzt kann er nicht mehr schlafen. Eine Folge seiner Corona-Erkrankung. Und des Kampfes als Pfleger gegen Corona. Er kann nicht mehr.
Es fällt ihm schwer, das hinzunehmen. In den Januarwochen darauf beginnt er, nicht mehr nur zu funktionieren. Er schreibt auf, was er erlebt hat, um es zu verstehen. Seine Intensivstation hat Ende Januar keine Corona-Patienten mehr. Er wird wieder arbeiten. Er wird wieder Patienten haben, die sich mit Handschlag und einem Danke von ihm verabschieden werden. Er weiß, dass sich das jederzeit ändern kann.
DER SONNTAG 4.2.2021
Wald wächst immer
Dürre und Klimakrise verwunden schon heute viele Wälder in Sachsen. Leila Reuter bleibt trotzdem gelassen. Als Försterin muss sie in Jahrhunderten denken – und in größeren Zusammenhängen.
Sie könnte die Verwüstung sehen, die Baumstümpfe, die kahle Fläche. Das Sterben in ihrem Wald. Doch Leila Reuter sieht das Leben. Hier das gelbe Fuchskreuzkraut zwischen dem toten Holz, dort die Weidenröschen und die Brombeeren. Sachte berührt sie eine junge Fichte, die ihren Kopf aus dem Boden reckt. Die tote Lichtung lebt. Und die Försterin ist gar nicht panisch. Sie ist demütig, was ziemlich genau das Gegenteil ist von Panik.
Eigentlich hätte Leila Reuter (50) allen Grund zur Panik. Für den Wald wird gerade allerorten Alarmstufe Rot ausgerufen. Wenn die Revierförsterin der Kirchlichen Waldgemeinschaft Westerzgebirge mit ihrem bulligen Ford Ranger durch den Lößnitzer Kirchenwald fährt, kann sie auch sehen, warum. Sie schaut auf eine Lichtung, die vor einem Jahr noch voller Bäume war. Ein Drittel Hektar. »Hier hat der Buchdrucker zugeschlagen«, sagt Leila Reuter.
Die Försterin hebt ein Stück Fichtenrinde auf und fährt mit dem Finger über die Gänge, die der Borkenkäfer wie Zeilen eines Buches in sie gefressen hat. Daher sein Name. Der Tod der Fichten hier liegt am Ende nicht an ihm. Es liegt an den zwei letzten Dürrejahren, die Bäume konnten nicht mehr genug Harz bilden und sich wehren. Dann zerfressen die Borkenkäfer genau jene Schichten unter der Rinde, in denen der Baum seine Nährstoffe transportiert. Dann ist Schluss.
»Es ist unserer Monokultur geschuldet«, sagt Leila Reuter. Denn der Buchdrucker frisst nur Fichtenholz. Und 80 Prozent der Bäume in den Wäldern der Revierförsterin sind Fichten. So wie in vielen Gebieten Sachsens. Der große Forstwissenschaftler Heinrich Cotta hatte die Aufforstung mit Fichte vor gut 200 Jahren empfohlen, um das kahl geschlagene Erzgebirge wieder grün werden zu lassen. Die Fichte wächst schnell und bringt gutes Geld. Bis heute.
Nur eines ist anders geworden: Der Mensch hat das Klima derart angeheizt, dass es auch die Bäume in Leila Reuters Wald hoch oben im Gebirge zu spüren bekommen. »Der Mensch hat die Chance umzukehren, das steht schon in der Bibel«, sagt die Försterin und stapft über die abgeholzte Fläche. »Aber er wird es nicht tun, weil er zu gierig ist. Deshalb wird sich die Bibel bis zu letzten Seite bewahrheiten.« Bis zur Apokalypse. Die schwarzen Baumstümpfe vor ihr könnten ihre ersten Boten sein. Aber Leila Reuter ist überhaupt nicht ohne Hoffnung. Sie bewirtschaftet ihren Wald mit einer erzgebirgischen Fröhlichkeit.
»Deutschland ist Waldland, irgendwas wächst immer«, so geht ihr Grundsatz. Also lässt sie die abgeholzte Fläche stehen und wartet. Auf größeren Kahlflächen lässt sie unter anderem Eichen, Lärchen und Bergahorn pflanzen. In einer Spalte im Stamm einer gefallenen Fichte hat eine kleine Buche Wurzeln geschlagen. Der alte Stamm wird irgendwann zu Erde, die Buche wird wachsen. Und Leila Reuter wird ihr Platz geben.
»Die Altbäume kommunizieren mit den Jungbäumen über das Pilzmyzel im Boden wie mit Geschwistern und Eltern. Das macht sie viel stabiler und sie werden nicht so stark vom Wild verbissen wie eigens gepflanzte Bäume aus der Baumschule.« Dort diese Fläche, zeigt sie, war noch vor Jahrzehnten kahl. Jetzt wächst auf ihr dichter Wald. »Das hat alles die Natur selbst gemacht.« Der Wald ist für Leila Reuter ein Lehrmeister der Hoffnung. Und der Gelassenheit.
Als Kind war der Wald für sie ein ziemlich unheimlicher Ort. Weil man ihn nicht durchschauen kann. So dicht, so dunkel. Ihr Vater war der Revierförster im erzgebirgischen Auerbach. Doch seit ihrem zehnten Lebensjahr zog es sie jeden Tag nach der Schule in den Forst, sie half beim Bauen von Zäunen, kalkte Bäume. Später studierte sie Forstwissenschaft.
Seit 17 Jahren ist Leila Reuter nun Revierförsterin von gut 1000 Hektar Kirchenwälder zwischen Freiberg und Vogtland, dem Sächsischen Hügelland und dem Erzgebirgskamm. Viele Wälder wurden bereits im Mittelalter fürs Seelenheil der Kirche vererbt.
Sie fährt mit ihrem Geländewagen langsam über die Waldwege, sucht nach den Bohrmehl-Spuren der Borkenkäfer und markiert die kranken Bäume mit einem roten K, um dem Sterben möglichst früh Einhalt zu gebieten. Oder sie schaut, ob die einen Bäume den anderen Platz und Licht stehlen. Oder welche Stämme bereit sind zum Fällen. Dann gibt sie ihren drei Waldarbeitern mit der Säge Bescheid.
Oft stoppt Leila Reuter auf ihren Touren den Motor. Dann steigt sie aus. Nach dem Regen riecht der Wald nach Pilzen. Oder er riecht nach Harz. Die Kiefern tragen den Duft ätherischer Öle. »Ich bin eigentlich ein schlechter Beter«, sagt die Försterin, die sich erst als Erwachsene zusammen mit ihrem Sohn taufen ließ. Aber wenn sie im Herbst das gelbe Ahornlaub gegen den blauen Himmel scheinen sieht oder das Sonnenlicht, das wie heilige Strahlen schräg zwischen den Bäumen auf den Weg fällt – dann dankt sie Jesus, ganz für sich. »Ich brauche die Freiheit hier im Wald. Das ist für mich Glückseligkeit.«
Das Handwerk der Waldarbeiter ist nicht besinnlich. Es ist laut wie die Kettensäge und der alte Traktor-Schlepper, und gefährlich wie die langsam und dann immer schneller sich neigende hohe Lärche. »Achtung!«, ruft es durch den Wald, dann ein dumpfer Knall. Leila Reuter hat Respekt vor dieser Energie. Sie ist nicht gern bei Fällungen dabei. »Diese Lärchen sind der Schatz des Jahres!«, ruft sie ihren Arbeitern zu. »Das ist das einzige Geld, das wir dieses Jahr verdienen.« Die Männer blicken skeptisch.
Denn natürlich geht es im Wald auch um Geld. Bei dem vielen gefällten Holz in diesen Dürrejahren zahlen Sägewerke kaum noch etwas für Bäume, auch in Leila Reuters Kirchenwäldern gehen die Verluste in die Hunderttausende. Sie haben gut gewirtschaftet und können den Verlust aus den Rücklagen auffangen. Aber das wird nicht mehr lange reichen.
Deshalb hat die Försterin einen Wunsch an die Politik: Eine Flächenprämie vom Staat für alle Waldbesitzer, da sie der Allgemeinheit Erholung und der Natur Schutz bieten. Das tun sie bisher kostenlos.
Bei anderen staatlichen Ideen indes kann die Försterin knorrig werden wie ein sturmerprobter Erzgebirgsbaum. Wenn immer neue Pläne für die Anpassung des Waldes an die Klimaerhitzung als Heilsbotschaften ausgegeben werden zum Beispiel. Mal sollen es Baumarten vom Mittelmeer richten, mal neue Forstmethoden. »Von diesen Schnellschüssen halte ich nichts«, sagt Leila Reuter. »Wir wissen nicht, ob der Klimawandel nicht doch auch den Golfstrom verlagern wird und uns heiße, kurze Sommer und kalte Winter bringen wird. In der Forstwirtschaft planen wir für 200 Jahre.«
Das sind die Zeiträume, in denen eine Försterin denken muss. »Wir können ja viel planen, wollen und tun«, sagt sie. »Aber hier im Wald lernt man Demut. Die Natur ist ein geordnetes Chaos, sie zeigt uns den Weg.«
An Leila Reuters Lieblingsstelle an der Sonntagswiese im Lößnitzer Kirchenwald hat sie ein Messingschild auf einem Stein angebracht mit einem Vers aus der biblischen Schöpfungsgeschichte: »Da brachte die Erde alle Arten von Pflanzen hervor bis hin zu den großen Bäumen. Gott hatte Freude daran, denn es war gut.« Die Försterin hält vor einer abgestorbene Buche gegenüber dem Stein inne. Tausende Arten haben in so einem toten Stamm Platz. Moose, Pilze, Insekten, der Baummarder, auch der Specht war schon da. Es ist ein Wunder.
Magazin Sinn 2021/1
Rechts abgebogen
Spurensuche: Mein Studienfreund Thomas Wawerka spricht nach dem Terror von Berlin im Talar auf einer rechten Versammlung, den Pfarrdienst musste er schon vorher verlassen, Medien zeichnen ihn als »Pegida-Pfarrer«. Was ist da passiert?
Drei Tage vor Weihnachten und zwei Tage nach dem Berliner Terroranschlag steht Thomas Wawerka im Talar schräg gegenüber vom Kanzleramt. Hinter ihm die AfD-Achse Gauland-Höcke, daneben der rechte Vordenker Götz Kubitschek. Thomas Wawerka (41) aber predigt das Evangelium der Liebe und Besonnenheit – auch wenn er seit vier Monaten gar kein Pfarrer mehr ist. »Das Geschwafel kann er sich sparen«, hören es Reporter unter den gut 200 Zuhörern raunen.
Das Plakat mit der Aufschrift »Merkel muss weg« hat der Prediger zuvor senken lassen, er zitiert lieber sein »großes theologisches Vorbild«, den Nazi-Gegner Dietrich Bonhoeffer – und spricht von »politischen Fehlentscheidungen, die zu diesem Terroranschlag geführt haben« und vom Recht der Christen auf Widerstand durch »das freie und klare Wort«. Die Reporter haben, was sie suchen. Einen Pegida-Pfarrer. Aus Sachsen. Thomas Wawerka fühlt sich im Gedränge dieses Abends in einen Mahlstrom gesogen. »Worauf hast Du Dich hier eingelassen?«, fragt er sich. »Aber jetzt kannst Du keinen Rückzieher mehr machen.«
Thomas Wawerka ist kein Mann für einen Rückzieher. Ich kenne ihn. Aus Studientagen. Wir beide: lange Haare, Big-Lebowski-Humor, Biere im sommerlichen Garten, irgendwie links und liberal. Thomas fand, dass die Grünen das Deutsche vergessen haben. Ich fand die Grünen sehr deutsch.
Später verloren wir uns aus den Augen. Bis ich eine Reportage über eine der ersten Pegida-Demonstrationen schrieb, und Thomas mir in einer E-Mail antwortete: »Meine volle Sympathie und mein ganzes Herz hatte die Bewegung, weil hier die Underdogs gegen ein repressives System aufstanden. Ich war einer von ihnen.« Underdogs, unterlegene Hunde.
Pegida war mir fremd und kalt geblieben. Mit den unterlegenen Hunden aber und Thomas Worten klang etwas Vertrautes an. Ein rebellischer Geist. Ein Sinn für die Verlierer. Thomas hatte ihn, schon als Kind im Vogtlandzipfel um Adorf. Oft krank, in der Stube, lesend und über den Sinn des Lebens nachsinnend, während andere zur Disco gingen.
»Zwischen den Stühlen habe ich mich vielleicht auch ein bisschen eingerichtet und dieser Platz macht mir bisweilen auch einen diebischen Spaß«, sagt er. »Der Geist, der stets verneint, birgt Erkenntnisgewinn.« Einen unbändigen Drang nach Freiheit wohne in ihm, sagt er. Ich kenne das. Aber irgendwann scheint Thomas anders abgebogen zu sein.
Er war gerade Pfarrer in Frohburg geworden, da spazierte er bei Pegida und Legida mit. Suchte das Gespräch mit Erbitterten, die sich inmitten der Willkommenskultur von ihrer Kirche abgekanzelt fühlten. Er teilte ihr Gefühl. Und es war mehr als das: Es war auch Theologie.
»›Bunt‹ und ›weltoffen‹ – immer dieselben Bubble-Words, überall, jederzeit«, empörte er sich im Februar vor zwei Jahren im Internet. »Schmeißen wir doch die Bekenntnisse alle weg und machen eine Bunte Kirche für alle, ohne Inhalte, schlichte Wir-haben uns-alle-ganz-dolle-lieb-Sentimentalität!«
Soweit die Polemik. Der Kern seiner Kritik aber ist ernst: »Die evangelische Kirche hat sich in ihr Gegenteil verkehrt. Sie trat an mit klaren geistlichen Lehren, die moralisch und politisch eine große Freiheit zuließen wegen der Gewissheit, dass wir Sünder sind und Vergebung erhoffen. Heute dagegen gibt es auf der Seite der Lehre völlige Beliebigkeit und auf der Seite der Moral klare Dogmen. Das hat meinen Zorn erregt.« Die Kirche lasse sich von der Willkommens-Politik instrumentalisieren. Davon ist er überzeugt.
Er begann, im Internet Artikel des rechten Intellektuellenmagazins »Sezession« zu kommentieren. Thomas versinkt im braunen Sumpf, dachte ich. Und begann zu recherchieren. Und nach Rassismus zu fahnden. Was ich las: Wie einer auch dort wieder zwischen den Stühlen Platz nahm. Gegen markiges Stiefel-Poltern setzte er geschliffene Gelehrsamkeit. »Kein Mensch ist mehr oder weniger wert«, so hielt er den christlichen Glauben den Rassisten unter den Abendlandsbewahrern entgegen. »Klarheit bekomme ich übrigens nur durch Differenzierungen.« »Wehrkraftzersetzung« und »Verrat«, donnerte es zurück.
Der Herausgeber der »Sezession« Götz Kubitschek, einer der führenden Köpfe der Neuen Rechten, sah das offenbar anders. Oder er witterte die seltene Chance, einen Pfarrer für seine Bewegung zu gewinnen. Er lud Thomas Wawerka auf sein Rittergut im sachsen-anhaltischen Schnellroda ein. Mit Vorbehalten fuhr der Theologe hin. Heute nennt er Kubitschek seinen Freund.
Was ihn anzog: Werte, die Grenzen setzen und Halt geben. Die klassische Familie, deren Leerstelle ihn als Geschiedenen schmerzt. Der Begriff des Volkes als eine Gemeinschaft mit gemeinsamer Geschichte, ohne andere Völker abzuwerten. »Steht nicht in der Bibel: In dir sind gesegnet alle Völker?« Dazu eine Angst. Die vor einer »Islamisierung Deutschlands«. Was ihm am schneidigen Kubitschek noch anzog: Klarheit, Mut zum Pathos, zu Ehre und Männlichkeit, frei von liberaler Ironie und Lässigkeit.
Ich verstehe auch das. Und komme mir dabei ganz weich vor. Liberal. Manchmal verfluche ich das an mir. Die Ironie, all das Versteherische und Abgehangene. Wenn aufrechte Pathosmenschen regieren, haben weiche Vielversteher womöglich nichts mehr zu lachen. Und viele andere auch nicht mehr. Mitten im Gespräch kann Thomas auf strenge Kasernenhofstimme umschalten, dann lächelt er verschmitzt. Er ist der Ironie noch nicht entkommen. Und ich kann nicht anders, als mich darüber zu freuen.
Anfang September letzten Jahres meldete sich Thomas wieder per E-Mail bei mir. »Ich bin kein Pfarrer mehr«, schrieb er. Was ist da nur passiert?, schrieb ich zurück.
»Nein, in seinen Predigten war nie etwas Politisches«, sagt Jens Scheffler, der Vorsitzende des Vorstandes des Kirchspiels Frohburg. Er lobt die gute Jugendarbeit des Pfarrers, auch seine Gottesdienste. Weihnachten predigte der Pfarrer über ein getauftes irakisches Flüchtlingspaar mit Namen Joseph und Maria, das mit seinem behinderten Kind im nahe Borna Zuflucht gefunden hatte. Als Abschiebung drohte, schrieb er mit seinem Glaubenskurs Proteste und war bereit zum Kirchenasyl.
Was passiert war, war weder rechts noch links. Thomas Wawerka nennt die Gründe selbst und er nennt sie als Allererster: Überforderung und Einsamkeit hießen die Mühlsteine, zwischen denen er als Landpfarrer mit fünf Gemeinden zerrieben zu werden drohte. Und mit denen er auch andere rieb. Am Ende von sich immer weiter zuspitzenden Gesprächen mit Superintendent und Landeskirchenamt wurde er nach drei Jahren Probedienst nicht als Pfarrer übernommen.
»Wir sind nicht gefragt worden, aber das Landeskirchenamt wird seine Gründe haben«, sagt Kirchenvorstandschef Scheffler. Das Landeskirchenamt schweigt zu Personalentscheidungen. Dort habe man ihm auch »menschenfeindliche Äußerungen« im Internet vorgeworfen, freilich ohne Beispiele vorzulegen, sagte Thomas Wawerka in Interviews. Und auch den Auftritt im Talar des Ex-Pfarrers neben AfD-Größen rügten die Kirchenoberen. Pfarrer auch in Sachsen, die seine Position teilten, hätten das durchaus als Warnung verstanden.
»Was nun? Wie geht es weiter für Sie?«, fragt die neu-rechte Zeitschrift »Sezession« Thomas Wawerka nach seinem Rauswurf auf Samtpfoten. Es klingt wie eine Einladung. Er erzählt ihr etwas von einer Vision einer kleinen Kommunität, die »im Rahmen eines traditionalen, kulturell selbstbewussten, heimatverbundenen Christentums lebt und arbeitet«. Man klatscht ihm freudig Beifall. Aber Thomas, wird das nicht mancher Nazi zu gern als Auferstehung des unseligen Deutschchristentums verstehen?
Als er sah, welche Fans ihm da plötzlich zuwuchsen, verwarf er diese Idee schnell. Als Götz Kubitschek ihn im September angesichts von linken Protesten gegen sein Institut für Staatspolitik in Schnellroda um eine Friedensandacht bat, antwortete er: »Ich will nicht, dass Sie denken, dass ich Ihr Pfarrer werde. Ich muss auch Sie kritisieren können, wenn Sie etwas gegen das Evangelium sagen oder tun.« Kubitschek schluckte und akzeptierte.
Schon warb die AfD um Thomas Wawerka als Bundestagskandidaten. Ich nicke, klar, der Mensch muss sein Geld verdienen. Thomas aber lehnte wieder ab. Er sagt, er wolle seine Seele nicht verlieren.
DER SONNTAG 15.1.2017 - nominiert für den DEUTSCHEN REPORTERPREIS